Covergott oder Coverschrott…

Covergott, oder Coverschrott. Hört sich reißerisch an. Ist aber nur mein Arbeitstitel. Ja, ich habe einen Arbeitstitel. Ich pfriemel nämlich schon ne ganze Weile an dem Beitrag rum. Und jetzt, wo er endlich fertig ist, fällt mir kein anderer Titel ein. Naja, bleibt er eben.  Man muss die Leute ja locken.

Was ist mein Problem? Also ich habe bestimmt so einige, aber darüber will niemand etwas lesen. 😉 Cover. Buchcover. Kauft ihr eure Bücher nach dem Cover? Nach dem Klappentext? Braucht ihr beides? Gefallen euch die momentan gehypten Cover? (Oh Gott, Word will, dass ich Covers schreibe. Iihh, ne, nicht mit mir. Das sieht ja ähhh aus.)

Habt ihr schon mal gedacht, oh das Buch sieht toll aus und dann war es ein Griff ins Klo? Hattet ihr schon mal ein sch… Cover und es war eine Wahnsinnsgeschichte? Habt ihr schon mal nach einem Buch gegriffen, weil euch das Cover gefiel und dann hatte es mit der Geschichte überhaupt nichts zu tun? Eure Erwartungen an die Geschichte waren ganz anders. Wenn ihr das mit „Ja“ beantwortet, kennt ihr mein Problem.

An dieser Stelle führe ich immer gerne die Karpatianer-Reihe von Christine Feehan an. Wenn ich nach dem Cover gegangen wäre, hätte ich diese wundervolle Reihe nie gelesen. Ich habe bei ebay mal eine Kiste Bücher ersteigert und da war ein Buch der Reihe drin. Auf den ersten Blick – Nackenbeißer. Naja, manchmal brauche ich solche Bücher. Als ich es dann irgendwann gelesen habe, war ich ganz erstaunt, dass es so überhaupt gar nichts mit dem Cover zu tun hatte. Oder eben das Cover nichts mit dem Inhalt des Buches. Mittlerweile wurden die Cover innerhalb der Reihe x-mal geändert. In meinem Regal sieht es jetzt so aus. (Hier links) Das sieht doch sch… aus. So ein Bücherregal ist doch auch was fürs Auge.

 

Ich bin wirklich ein Vielleser. Laut einer Freundin lese ich nach Kilometern. (Könnte hinkommen.) Es sind also schon viele Cover durch meine Hände gegangen. Und mich treibt nun schon seit längerem die Frage um…

Wie entsteht ein Cover? Wer entscheidet, wie es aussieht? Hat der Autor Mitspracherecht? Entscheidet das der Designer? Kennt er das Buch vorher?  Gibt es einen „Meinungsforscher“, der sagt, so oder so muss das Cover aussehen? Gibt es einen Unterschied zwischen Verlag und Selfpublisher?

Gut, das sind mehrere Fragen. Aber, habt ihr euch das nie gefragt? Viele Cover, die ziemlich gehypt wurden, haben mir persönlich gar nicht gefallen. Ja, das ist eine Geschmacksfrage. Vielleicht liegt es auch an meinem Alter. Ich lese auch Jugendbücher und über das Alter bin ich nun wirklich weit hinaus, da hilft alles Leugnen nichts. Es gibt auch einen Unterschied zwischen deutschen und englischen Covern. Auf der Rare in Berlin ist mir das ganz besonders aufgefallen. Bei vielen Büchern lagen die deutschen neben den englischen und ich hätte immer sofort zu den englischen gegriffen. Ein Beispiel?

 

 Links die englischen Cover, rechts die deutschen. Welche gefallen euch besser? Also mein Favorit sind die englischen.

Wir sind auf der Rare mit Ruth Cardello ins Gespräch gekommen. Sie meinte, der Verlag sagt, wir deutschen Leser wollen die Cover so. Es folgte ein synchrones Kopfschütteln im Umkreis. Das gleiche Ergebnis brachte ein Gespräch mit Catherine Bybee. Sie sagte uns, dass sie ihre Cover immer selbst macht, weil ihr die deutschen Vorgaben nicht gefallen. Mmhhh, bin ich da eine Ausnahme?

Ich habe mal ein bisschen herumgefragt und hier ein paar Antworten für euch.

Ich habe z. B. Anna Holub mit meinen Fragen gelöchert. Sie meint, sie hätte mir einen kleinen Roman geschrieben.

Mir ist aufgefallen, dass z. Bsp. die englischen und die deutschen Cover verschieden sind.

Anna: Das stimmt, so wie es auch Unterschiede im Geschmack der Leute gibt. Es sind oft sogar die Cover zwischen britischer und US-Ausgabe unterschiedlich. Das ist einerseits durch den Geschmack der unterschiedlichen Volksgruppen, andererseits auch trendbedingt. Ein dritter Grund kann der verlagseigene Stil sein, oder der Stil der Reihe oder Sparte, in der das Buch herauskommt. Z. B. erkennt man ja gleich, ob ein Buch von Diogenes kommt, oder ob es in der Reihe „Scifi Klassiker“ ist.

Manchmal finde ich persönlich das Cover gar nicht passend zum Buch. Ich habe mich auch schon mit einigen Autoren unterhalten, die meinten, laut Verlag möchten wir (also die Leser) die Cover so, wo ich als Leser sage, nee, sieht furchtbar aus.

Anna: Da ist ja viel Tradition dabei, vor allem in der Fantasy. Mit ihren bunten, illustrierten Covern stehen die Fantasy-Bücher ja auch noch immer in der Kitschecke und nicht bei den „seriösen“ „Literatur“(vorsicht, Sarkasmus!)-Büchern, oder? *augenrollt*

Darum interessiert es mich, wie so ein Cover entsteht. Wie entsteht es genau. Liest du das Buch vorher? Ist bestimmt nicht immer möglich. Bekommst du eine Zusammenfassung, damit du weißt, worum es im Buch geht? Wie entscheidest du, wie das Cover aussehen soll? Schaust du, was es so auf dem Markt gibt? Was gekauft wird? Gibt es irgendwelche Einschränkungen? Ist als Selfpublisher alles genau so mögliche, wie bei einem großen Verlag?

Anna: Ich arbeite, wie gesagt, in der SP-Ecke. Da kann man als Autor noch selbst Einfluss darauf nehmen, wie das Cover aussieht. Das ist bei einem Verlag meistens nicht so. Bei einem Kleinverlag kann man, wenn man Glück hat, noch zwischen ein paar Vorschlägen wählen (der Verlag hat sicher seinen Stammdesigner). Bei einem großen Verlag bestimmt der Verlag, Punkt, aus.

Aber ich erzähle mal, wie das bei mir so ist: Es ist nicht immer möglich, das Buch zu lesen, weil es auch nicht immer schon fertig ist. (Oft frage ich mich selbst, ob die Designer ein Buch auch gelesen haben…) Ich spreche mit der Autorin, frage, welche Vorstellungen sie hat, und welchen Eindruck/welches Gefühl sie beim Anblick des Covers erwecken will. Will sie den Romance-Aspekt betonen oder doch eher die coole, schwertschwingende Heldin? Soll es düster zugehen oder pastellig?

Als nächstes frage ich, was es für Stilvorgaben gibt. Ist das Buch Teil einer Serie? Im Rahmen der Märchenspinnerei (anm: http://www.maerchenspinnerei.de), für die ich bis jetzt 2 Cover gemacht habe, gibt es z. B. Vorgaben für die Schriftarten am Cover und die Platzierung und Größe des Logos auf der Vorderseite.

Dann sehe ich mir den Rest der Reihe an und versuche, den Stil des Covers stimmig den anderen Teilen anzupassen. Also könnte ich z. B. nicht ein abstraktes oder einfarbiges Cover machen, wenn alle anderen bunt und fantastisch sind, oder eine Malerei, wenn alle anderen Fotomontagen sind.

OK, jetzt ist alles abgeklärt und eine Idee habe ich auch, geht es jetzt los? Nicht ganz. Ich habe noch eine Einschränkung: die Wahl des Bildmaterials. Ich illustriere zwar selbst als Hobby, aber wenn ich das für Cover machen würde, müsste ich komplett unerschwingliche Preise verlangen. Auch die Rechte zur Verwendung von z. B. Fotos und Schriftarten müssen gekauft werden. Professionelle Designfirmen haben dafür Abos bei Bilddatenbanken. (Das wäre für mich im Moment noch zu teuer.) Wenn das nicht möglich ist, muss ich mich mit copyrightfreien Bildern begnügen, und da gibt es auch nicht immer das 100%ige Bild. Gibt es schon Bilder im Besitz des Auftraggebers, die passen und die ich verwenden darf, ist das natürlich super, ist aber normalerweise nicht der Fall. Vor Allem bei Printcovern brauche ich außerdem normalerweise so hochauflösende Dateien, dass der Normalverbraucher die sicher nicht vorrätig hat.

Wenn das abgeklärt ist, mache ich eine oder mehrere Skizzen, also kleinformatige Vorschläge für das Design, und kläre sie mit der Autorin ab. Wenn sie eine davon (hoffentlich) gutheißt, werden die Bilder usw. gekauft und ich bastle los. Im Preis für ein Coverdesign sind am Ende normalerweise noch eine oder zwei „Runden“ Verbesserungen inbegriffen, wo die Autorin noch einmal drübersehen und gutheißen oder nörgeln darf. Diese Schritte schützen mich vor endlosen „ich habe mir doch überlegt, das Design noch einmal komplett umzuwerfen“-Runden und sollen sicherstellen, dass die Autorin am Ende etwas bekommt, das ihren Vorstellungen entspricht.

Ist alles fertig, liefere ich die Datei im gewünschten Format ab, Autorin ist glücklich, ich bin glücklich, alles super!


Na das war doch mal sehr ausführlich. Jetzt weiß ich, mehr oder weniger genau, wie sowas abläuft. Ich habe aber noch andere gelöchert. Habt ihr noch Muße, hier weiterzulesen? Ja? Gut, dann mal los. Wen haben wir den als nächsten?

Als nächstes hat mir Kristina Licht  Rede und Antwort gestanden.

Hallo Heike!

Ich versuch die Fragen mal so gut es geht zu beantworten.
Zum Thema deutsch/englische Cover kann ich nicht viel zu sagen – denn mir gefallen meist die englischen auch besser  Ich vermute mal, dass in den großen Verlagen aber acht drauf gegeben wird, den typisch „deutschen“ Stil oder den Stil der Verlage beizubehalten, für einen Wiedererkennungswert.

Jetzt aber zu deinen Fragen, wie ein Cover entsteht:
Nein, ich lese im Normalfall das Buch nicht vorher. Ich bekomme vom Autor (oder vom Verlag) eine kurze Zusammenfassung und ein sogenanntes „Briefing“. Der Autor soll dabei gewisse Punkte beantworten, die für die Covererstellung wichtig sind, z. B. Atmosphäre des Buches, Genre, Zielgruppe, wie sehen die Hauptpersonen aus, wo spielt die Geschichte, wann spielt die Geschichte, gibt es besondere Elemente, die in der Geschichte eine Rolle spielen, etc. Außerdem frage ich den Autor immer, ob er schon spezielle Wünsche oder Vorstellungen für das Cover hat. Oder ob er mir Cover zeigt, die ihm vom Stil gefallen. Mir (als unabhängige Designerin) ist es nämlich am wichtigsten, dass dem Autor das Cover gefällt. Würde ich in einem Verlag arbeiten, kann ich mir vorstellen, dass dort andere Kriterien wichtiger sind und der Autor nur geringfügiges Mitspracherecht hat (vor allem bei großen Verlagen).

Und nein, ich finde es nicht einfacher für mein eigenes Buch ein Cover zu gestalten. Klar, ich weiß dann besser, worum es in dem Buch geht, aber irgendwie ist das deswegen noch komplizierter die richtige Atmosphäre zu transportieren, weil ich es selten perfekt genug finde (vielleicht bin ich bei meinen Büchern aber auch zu selbstkritisch!) Wenn ich für andere Autoren designe, dann zeige ich denen mehrere meiner Versuche/verschiedene Varianten zur Auswahl (meist ca. 3) und wenn bei einem davon der Autor in Jubelgeschrei ausbricht, dann ist mein Job erledigt

Wie ich entscheide wie das Cover aussehen soll? Nun, ich geh alle Informationen durch, die ich zum Buch bekommen habe, dann begebe ich mich meist auf Bildersuche. Und während dieses Suchprozesses entwickelt mein Gehirn verschiedene Möglichkeiten zum Aussehen des Covers. Dann bastel ich meist ein wenig rum, Probier aus wie die verschiedenen Bilder zusammen wirken und meist muss ich danach noch mal paar Stunden Bilder suchen  Ich orientiere mich nicht explizit an dem Markt, aber es ist eine Art ästhetisches Gespür, dass ich mir über die Jahre angeeignet habe. Ich schaue mir gern schöne Cover an und habe es so verinnerlicht, dass ich ein Auge dafür habe, was „gut“ und professionell aussieht.

Bei einem großen Verlag ist der Vorteil, dass dort Geld keine Rolle spielt. Als Selfpublisher muss man alles selbst bezahlen und kann sich deshalb die „professionellen“ Designer nicht leisten. Es gibt aber auch für Selfpublisher gute bezahlbare Angebote und wenn man ein wenig Geld hineinsteckt, hat man dann als Selfpublisher sogar mehr Mitspracherecht was das Cover angeht als in einem Publikumsverlag.

Ich hoffe, ich habe die Fragen zu deiner Zufriedenheit beantwortet,  falls du noch mehr hast, gerne her damit.


Nein, keine Fragen mehr alles zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Danke, dass ich dich löchern durfte.

Einen habe ich noch. Und zwar Stefan Heikens.

Oh, das sind eine Menge Fragen… Also zunächst mal mache ich wirklich alles selbst! Das Cover muss unbedingt zum Buch passen, soll aber auch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen! Deswegen spiegelt es den Inhalt wieder, auch wenn ich finde, dass das oft genug nicht paßt… Ist aber nur meine persönliche Meinung… Meine Freundin arbeitet seit zehn Jahren für einen Verlag und ist genau dafür zuständig… Oft genug muss sie den Autoren erklären, dass das gewünschte Cover nicht passt und der Verlag passt das dann an, da habe ich als SP den Vorteil, dass ich selber bestimmen kann wie ich es haben will…

Es stimmt aber, der Verlag meiner Freundin ist einer der größten amerikanischen… Die wollen ihre Cover eher schwülstig-weichgezeichnet, da ist der europäische Markt ganz anders… Dasselbe hat man zum Beispiel auch bei Filmcovern, hast DU da mal drauf geachtet? Die müssen ebenfalls angepasst werden…


So, jetzt wisst ihr Bescheid. Es wird also immer versucht, das Beste aus dem Cover rauszuholen. Dass es nicht allen gefällt, ist klar. Wäre ja schlimm, wenn alle den gleichen Geschmack hätten. Wenn mir ein Cover nicht gefällt, muss ich mich also in Zukunft weiter ärgern. Aber immerhin weiß ich jetzt genau, wie viel Arbeit in so einem Cover steckt.

Gerne hätte ich auch mal gehört, was die größeren Verlage dazu sagen. Ich habe über die Bloggerportale angefragt, aber leider keine Antwort bekommen.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass ein Buchhändler (oder irgendjemand, der mit Büchern zu tun hat) alle seine Bücher in weißes Papier eingeschlagen und nur den Titel und den Autor darauf geschrieben hat. Ich stell mir das toll vor. Lauter weiße Bücher und auf dem Buchrücken steht in einer schönen schwarzen Schrift der Titel. Keine Kaufentscheidung nach dem Cover. Hier muss dann der Titel überzeugen.

Würde mein Beitrag dann die Titelsuche hinterfragen?

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2 Kommentare

  1. Hallo und guten Tag,

    manchmal kann das Cover schon zum Ärgernis werden, finde ich als Leserin. Gerade wenn es um Liebesromane geht….ewig küssende Paar…sind mittlerweile überall zu finden und sie langweiligen eigentlich nur noch….oder der ewig schöne Oberkörper eines Mannes….das macht mir mittlerweile auch wenig Lust auf solche Romane.

    LG..Karin…

  2. Ich stimme 100-%-in mit Dir überein Heike, insbesondere mit der Karpatianer-Reihe und auch, dass mich die gezeigten englischen Cover mehr ansprechen. Ich mag nicht so gerne Personen (Fotos) auf dem Cover — und ärgere mich, wenn sie dann noch nicht einmal die richtige Haarfarbe haben. Danke für den interessanten Bericht.
    Liebe Grüße.

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