Meinen Messebericht über die Leipziger Buchmesse kennt ihr ja schon, hier will ich aber über meine persönlichen Eindrücke über die Messe berichten. Es gibt ja immer jemanden, der meckert und jemanden über den gemeckert wird.
Als erstes möchte ich euch eine Zahl nennen, die ziemlich groß ist. Ich persönlich finde sie auch ziemlich beängstigend.
296 000
Ich kann es auch noch einmal in Worten sagen: Zweihundertsechsundneunzigtausen!!! So viele Besucher hatte die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr. Mehr als im Vorjahr.
Das ist viel und ich habe den Eindruck, jedem einzelnen in den Messehallen begegnet zu sein. Es war voll. Voller als die Jahre zuvor und das habe nicht nur ich so empfunden. Ich habe meine Ohren in diesem Jahr etwas auf Empfang gestellt und auch einige Leute befragt. Jeder, mit dem ich sprach, fand es voller als die letzten Jahre und eine große Anzahl sogar zu voll. Im Gewimmel der Messe hörte ich ab und zu „Die wollen die 300 000 erreichen“. Im Vorfeld wurde das Kartenkontingent begrenzt, was es wohl auf der Messe noch nie gab.
Ich hatte oft das Empfinden, die Menge der Besucher ging auf Kosten der Sicherheit. Vielleicht hatte ich meine Augen nicht überall, aber ich habe weniger Sicherheitspersonal gesehen, als die letzten Jahre. Und die Leute mit den leuchtenden Westen schienen mir an einigen Stellen überfordert und nicht Herr der Lage.
Ein Beispiel? Die Halle 3 war zwischenzeitlich so voll, dass es keinen Millimeter Platz mehr gab. Die Röhren, die als Verbindung zwischen den Hallen dienen, haben zwei Richtungen. Rein und raus. Auf der einen Seite wurde der Zugang – zurecht – geschlossen, die andere Seite ließ noch fleißig Leute rein, die sich dann bis in die Röhre stauten. Es gab stellenweise keine Teilung in der Mitte der Röhre, so dass die Besucher einfach die andere Seite nutzten. Kommunikation ist hier das Zauberwort. Ein Sicherheitsmann kam dann und verlangte in sehr rüdem Ton, dass sein Kollege den Zugang stoppte. Das war ok, aber der Ton macht die Musik. Dieser ruppige Ton fiel mir nicht nur beim Sicherheitspersonal, sondern auch beim Reinigungspersonal und anderen Mitarbeitern auf. Wobei ich die junge Dame an der Garderobe im Pressezentrum nur loben kann. An allen Tagen hatte sie immer ein Lächeln auf den Lippen und hat jeden höflich und zuvorkommend behandelt. Wundervoll. Sie hat mir den Morgen versüßt.
Allgemein war die Stimmung auf der Messe in diesem Jahr seltsam. Irgendwas lag da in der Luft. Ich habe von vielen Seiten gehört, dass es von Seiten der Aussteller und Verlage Kritik an der Organisation gab. Vielleicht führte das zu dieser seltsamen Stimmung. Wenn ich an die ungewöhnlich langen Schlangen vor dem Einlass denke, dann ist hier Kritik wohl angebracht. Ich persönlich lasse den Grund, dass viele gleich früh auf die Messe wollten nicht gelten. Das wollten sie die letzten Jahre auch schon. Im letzten Jahr stand ich unten vor der Glashalle und der Einlass ging fix.
Wenn ich mit Autoren und Ausstellern gesprochen habe, wurde mir immer wieder versichert, dass die Messe selbst sehr gut lief. Es wird also gelesen. Das ist gut. Aber die Organisation hakte wohl in diesem Jahr sehr.
Ich will hier aber nicht nur meckern. Es gibt auch positive Aspekte, die ich hier nicht verschweigen will. Früher gab es sonntags immer vermehrte Veranstaltungen, wie Vorträge etc. Es hat mich gefreut, dass diese Art der Veranstaltungen über die gesamte Messe verteilt wieder aufgenommen wurden. Mehr als im letzten Jahr.
Mich persönlich interessiert ja das Thema KI sehr. Die Messe sah das wohl auch so und hatte verschiedene Vorträge und Diskussionen im Forum „Mensch & KI: Schöne neue Welt“ vorbereitet. Ich fand sie sehr interessant und lehrreich. Bitte mehr davon. Das ist ein Thema, dem sich niemand verschließen kann und das noch viel Bedarf an Aufklärung hat.
Was nicht nur ich wieder als störend empfand waren die langen Schlangen, die zu den Publikumsverlagen wie LYX führten. Im letzten Jahr wurden schon die Signierstunden etwas nach außen verlagert, was sehr hilfreich war. Einige Verlage, die das gehypte Genre „Dark Romance“ anbieten, hatten vor ihren Ständen eine größere freie Fläche. Vielleicht wäre das auch hier eine Möglichkeit. Leid taten mir auch die Leute, die während der Signieraktion von Sebastian Fitzek an die daneben liegenden Stände wollten. Das war nahezu unmöglich. Soweit ich das mitbekommen habe, war er an drei Tagen da und an jedem dieser Tage war das Durchkommen kaum bis gar nicht möglich. Wie das für die Aussteller in der Umgebung war, wage ich mir nicht vorzustellen.
Ein paar Worte möchte ich auch zur Sauberkeit sagen. In diesem Jahr hatte ich den Eindruck, die Papierkörbe waren immer übervoll. Auf den Toiletten war stellenweise weder Toilettenpapier noch Handtücher. Das führte zu weiteren Problemen. Mein Taschentuchvorrat ging größtenteils dafür drauf.
Im Großen und Ganzen überwiegen aber die positiven Stimmen und auch ich fuhr mit einem positiven Gefühl nach Hause und werde im nächsten Jahr definitiv wiederkommen.
Ein Thema möchte ich allerdings noch ansprechen, obwohl mir auch hier keine Lösung einfällt. Ich fahre schon viele Jahre zur Leipziger Buchmesse. Erst als normaler Besucher, dann mit Akkreditierung als Blogger und seit ein paar Jahren als Blogger und Buchhändler in einer Person. Auch in diesem Jahr wurde ich nicht akkreditiert, was ansich kein Problem ist. Mich persönlich stört aber die Begründung. „Mein Blog entspricht nicht den Richtlinien“. Kommunikation! Was ist das Problem? Gefühlt habe ich auf der Messe nur junge Instagram-Blogger gesehen. Sind die konventionellen Blogs nicht mehr gewünscht oder gefragt? Das ist alles Interna der Messe, aber ich wünsche mir etwas mehr Transparenz.
Mir persönlich ist bei dem ganzen Akkreditierungskonzept eigentlich nur der Einlass über das Pressezentrum wichtig. Ich führe Gespräche und Interviews auf der Messe und treffe dort schon gleich am Morgen andere Blogger. Hätte ich in diesem Jahr den Eingang über die Glashalle nutzen müssen, wären viele meiner beruflichen Termine ins Wasser gefallen und auch als Blogger wäre einiges nicht möglich gewesen. In diesem Jahr habe ich die Messe als Teil der Crew eines ausstellenden Verlages besucht. Der Standdienst war eine ganz neue Erfahrung für mich und hat mir Sichtweisen auf die Messe erlaubt, die ich früher nicht hatte.
Wie gesagt, habe ich keine Lösung parat. Aber die Messe sollte hierfür vielleicht an einem Konzept arbeiten, dass den ganzen Vorgang etwas transparenter macht. Einige Blogger, die nicht akkreditiert wurden, haben im Vorfeld von der Messe berichtet, von der Messe und auch danach und viele von ihnen unterstützten auf der Messe Aussteller und Autoren. Einige der akkreditierten Blogger fuhren mit vollen Koffern mit gratis Büchern und Merch heim und verlieren kein Wort über die Messe. Man hört und liest nur was sie alles gratis abgestaubt haben.
Aber ich denke, dieses Problem wird es immer geben und auch die Leipziger Messe wird das auch nicht ändern können.
Abschließend kann ich aber sagen, dass die Leipziger Buchmesse immer mein Jahreshighlight ist. Ich suche und finde viele neue Bücher, die anschließend nicht nur in meinem privaten Regal landen, sondern auch im Buchhandel zu finden sein werden. Meine positiven Erfahrungen sind es mir immer wieder wert, meinen Jahresurlaub dafür zu opfern.
Das Hotel für 2026 ist schon gebucht. Ich werde mich wieder mit einer Akkreditierung versuchen, ansonsten wird das Ticket eben gekauft und ich hoffe auf einen besseren koordinierten Einlass im nächsten Jahr.
Was mir die Leipziger Buchmesse aber in diesem Jahr ganz besonders gezeigt hat, ist die Freude am Lesen. Sie scheint ungebrochen. So soll es sein.
Sehen wir uns im nächsten Jahr auf der Leipziger Buchmesse?