Verrat – Sieben Verbrechen an der Liebe von Jessica Schulte am Hülse

Verlag: Karl Blessing Verlag 
Seiten: 256
ISBN: 978-3-641-21066-3

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen und hätte nicht erwartet, dass es mich so mitnimmt. Normalerweise fallen mir die Worte für die Rezensionen sofort aufs Papier, aber hier nicht. Hier wollten die Worte sich nicht greifen lassen, ich musste das Buch erstmal sacken lassen, darüber nachdenken, die Worte suchen. Ungewöhnlich für mich, aber es ist auch ein ungewöhnliches Buch.

Vielleicht lag es daran, dass sie alle wirklich so passiert sind. Dass es reale Personen, mit genau diesen Geschichten sind, vielleicht in der Wohnung nebenan, vielleicht geht man an ihnen vorbei. Niemandem sieht man diese Dinge an.

Die Autorin „erzählt“ diese Geschichten nicht einfach, sie berichtet davon. Sie fungiert als Sprachrohr für Dinge, die erzählt werden wollen, erzählt werden müssen, die es selbst aber nicht können.

Dabei sind ihre Worte nie wertend. In klaren, manchmal distanziert wirkenden Worten legt sie die Fakten da. So ist es passiert, leb damit, die „Besitzer“ dieser Geschichten müssen es doch auch.

In jeder einzelnen Geschichte berichtet sie von einem Verrat an der Liebe. Auf die eine oder andere Art wird dort Verrat geübt, verletzt, gelogen, betrogen, wo sich jeder am sichersten fühlen will und auch sollte, in der Liebe zum Partner, dem man vertraut, den man liebt und wo man sich behütet und selbst geliebt fühlen will. Wie schlimm muss sich ein Verrat hier anfühlen? Macht es einen Unterschied, ob es der geliebte Partner, ein Freund oder ein Familienmitglied ist?

Das wird hier nicht geklärt. Wir erfahren auch nicht, wie es nach dem Ende der Geschichten weitergeht. Manche Beweggründe bleiben im Dunkeln. Das ist nichts für mich. Ja, ich gebe es zu, ich brauche ein happy End. Ich muss wissen, dass das Gute triumphiert und das Böse bestraft wird. Aber so ist das Leben nicht. Leider.

Einen Trost habe ich aber. Denn ich weiß, dass mindestens eine dieser Geschichten ein happy End hatte. Eine ist nämlich die Geschichte der Autorin selbst.

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